Sturmtief Sebastian fordert Menschenleben und verursacht Schäden

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Veröffentlicht: 18:54, 17. Sep. 2017 (CEST)
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Ein Sturmtief auf hoher See (Symbolbild)

Berlin (Deutschland), 13.09.2017 – Sturmtief „Sebastian“ hat am 13. September Teile West- und Norddeutschlands getroffen. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. Vor allem in Norddeutschland blieben Kindergärten geschlossen und wurden Veranstaltungen abgesagt.

In Hamburg wurden ein 38-jähriger Mann von einem umstürzenden Baugerüst erschlagen. Bei einem in Blankenese in der Elbe ertrunkenen Rollstuhlfahrer ist unklar, ob es sich um ein Sturmopfer oder einen Suizid handelte. Augenzeugen hatten ursprünglich berichtet, der Mann sei in die Elbe geweht worden. Ein Großaufgebot von Tauchern, Booten und einem Hubschrauber konnten den Mann nur noch tot bergen. Im westfälischen Brilon wurde ein 53-jähriger Mann von einer 20 Meter hohen Fichte erschlagen. Er hatte in einem Waldstück Vermessungsarbeiten durchgeführt, als der Baum entwurzelt wurde. Rettungsversuche gestalteten sich wegen der Witterungsbedingungen schwierig. Schon am Mittwochmorgen war in Bonn ein 31-jähriger rumänischer Arbeiter beim Aufbau des Riesenrades auf dem Pütchens Markt in den Tod gestürzt. Die Polizei untersuchte, ob der Mann von einer Böe erfasst wurde und wieso sein Sicherheitsgurt nicht eingehakt war.

Mehr Glück hatte eine 70-jährige Fußgängerin in Wyk auf der Nordseeinsel För, die ebenfalls von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Sie überlebte das Unglück schwer verletzt. Mehrere Verletzte gab es in Bielefeld, wo ein Baum auf ein Wohnhaus stürzte. Auf der A 27 wurde ein LKW von einem umstürzenden Baum getroffen, der Fahrer kam mit leichten Verletzungen davon. Ähnlich erging es einem 82-jährigen Autofahrer im Rheinisch-Bergischen Kreis und einem 29-jährigen in Peine, die während der Fahrt von einem umstürzenden Baum getroffen wurden. In Münster wurde eine Frau von umherfliegenden Glassplittern verletzt.

An der Nordseeküste wurde eine Sturmflutwarnung ausgegeben. Dort wurden Böen von bis zu 130 km/h gemessen. Am späten Abend stand der Fischmarkt in Hamburg unter Wasser. Teile des Fährbetriebs nach Wangerooge und Helgoland wurden eingestellt, im Übrigen kam es zu Verspätungen. Die Insel Sylt war vom Festland abgeschnitten, nachdem der Verkehr auf dem Hindenburgdamm eingestellt wurde. Auch der Nord-Ostsee-Kanal, eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt, musste für den Schiffsverkehr gesperrt werden. Zu Störungen kam es ferner im Bahnverkehr, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Dort war ein Zug schon am Morgen mit Ästen kollidiert, sodass die Strecke für zwei Stunden gesperrt werden musste. Seit dem Nachmittag war der öffentliche Nahverkehr in Bremen stark eingeschränkt, der S-Bahnbetrieb vollständig eingestellt. Die Zugverbindungen nach Bremen, Hannover, Hamburg, Osnabrück und Leer wurden unterbrochen, ohne dass ein Ersatzverkehr hätte eingerichtet werden können. Die Eisenbahngesellschaften gingen zunächst davon aus, dass dieser Zustand bis zum Donnerstagmorgen bestehen bliebe. Doch auch am Donnerstag wurde noch mit Ausfällen und Verspätungen gerechnet, weil die Fernzüge am Mittwoch ihre Ziele nicht erreichen konnten. Auch im Süden, in der Westpfalz stürzten Bäume auf die Straßen, bei Ramstein etwa auf die BAB 6.

Die Feuerwehren waren wegen umgestürzter Bäume und anderer witterungsbedingter Schäden landesweit im Dauereinsatz. Vielerorts wurden Autos und Gebäude beschädigt. Flensburg hatte schon vorsorglich Kindergärten geschlossen und Schulen empfohlen, diesem Beispiel zu folgen.

In Karlsruhe hatte sich eine Sicherung an einem Baukran gelöst. Der Wind erfasste dessen Arm und brachte ihn in eine Drehbewegung. Eine daran hängende Kette beschädigte drei Häuser und blieb schließlich an einer Stromleitung hängen. Ohne Strom waren weiterhin 3.000 Einwohner der Verbandsgemeinden Gerolstein und Daun in der Eifel. Dort hatte der Sturm zwei Stahlseile einer Oberleitung aneinanderschlagen lassen und so einen Kurzschluss verursacht. Im Westerwald traf ein Ast eine Oberleitung und löste so einen Stromausfall aus.

Eine Wetterbesserung war am Abend des 13. September zunächst nicht in Sicht. Für die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Stadtstaaten Bremen und Hamburg warnte der Deutsche Wetterdienst weiterhin vor orkanartigen Böen, die zu entwurzelten Bäumen und herabstürzenden Gebäudeteilen führen können. Diese Sturmlage sollte sich in der Nacht weiter nach Osten verlagern. Schon am frühen Abend rief die Berliner Feuerwehr deshalb den Ausnahmezustand aus. In Hessen und Baden-Württemberg wurden dagegen starke Regenfälle erwartet, die die Hochwassergefahr an den Flüssen steigen lassen und überdies Erdrutsche verursachen können. Besonders im Odenwald und Schwarzwald rechnete man mit Niederschlägen von bis zu 50 Litern pro Quadratmeter, im Saarland aber immerhin auch mit bis zu 30 Litern. In Trier wurde ein Wohnhaus von einem stark angeschwollenen Bach unterspült. Ob es noch bewohnbar ist, musste zunächst noch geprüft werden. Auch für den Donnerstag wurde mit heftigen Niederschlägen und gewittrigen Schauern gerechnet. Außerdem könne der Wind, der sich im Südwesten über Nacht gelegt hatte, wieder auffrischen. Gerade in exponierten Lagen der Mittelgebirge wurden deshalb abermals Sturmböen erwartet. Eine Wetterbesserung wurde erst für Freitagabend vorhergesagt.

Jenseits der Schäden führte der Sturm in Baden-Württemberg zu einem Windenergierekord. Nach Angaben des Netzbetreibers Transnet BT hätten am Mittwoch um 11:15 Uhr die insgesamt 607 Windkraftanlagen des Landes 1,139 Gigawatt in das Netz eingespeist. Die Anschlussleistung aller Windkraftwerke in Baden-Württemberg betrage derzeit 1,158 Gigawatt.

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Quellen[Bearbeiten]