Studie: Mehr Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern in Deutschland

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Artikelstatus: Fertig 20:45, 16. Mai 2007 (CEST)
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Berlin (Deutschland), 16.05.2007 – Kinder in Deutschland, die in armen Verhältnissen leben oder in Familien mit so genanntem Migrationshintergrund aufwachsen, werden schneller krank, erhalten eine schlechtere gesundheitliche Versorgung und sind anfälliger für emotionale Probleme. Das ist kurz gesagt der Inhalt einer groß angelegten Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI), bei der fast 18.000 Kinder bis zu einer Altersgrenze von 17 Jahren aus 167 Städten in Deutschland medizinisch untersucht wurden. Außerdem wurden die Kinder selbst sowie deren Eltern befragt. Die Studie war vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben und mit 9,36 Millionen Euro finanziert worden. Weitere 2,5 Millionen Euro kamen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Ein Problem, mit dem besonders viele Kinder zu kämpfen haben, sind emotionale Schwierigkeiten und Hyperaktivität. Offenbar hat sich das Gesamtbild der gesundheitlichen Situation von Kindern zu einem wachsenden Anteil von somatischen zu psychischen Störungen verschoben. Diese Veränderung geht einher mit einer Verschiebung von akuten Krankheitsbildern zu chronischen gesundheitlichen und psychischen Störungen, woraus das RKI die These einer „neuen Morbidität“ ableitet, die von einem Vorrang „von Störungen der Entwicklung, der Emotionalität und des Sozialverhaltens“ ausgeht, die spezifische chronische Krankheitsbilder ausprägen, zu denen neben Fettleibigkeit, Asthma oder Allergien vor allem psychische Störungen zählen. 11,5 Prozent der Mädchen sind inzwischen verhaltensauffällig. Bei den Jungen sind dies sogar 17,8 Prozent der Untersuchten. Kennzeichnend ist dabei der Übergang von somatischen zu psychosomatischen gesundheitlichen Störungen, wie sie bei den folgenden Krankheiten häufig unterstellt werden können: Bronchitis (13,3 Prozent), Neurodermitis (13,2 Prozent) und Heuschnupfen (10,7 Prozent). 15 Prozent der Kinder leiden an Übergewicht; 6,3 Prozent gelten als fettleibig.

Als besonders schwerwiegend empfanden die Forscher ein Ergebnis der Studie, das ein Schlaglicht auf die Situation von Kindern aus sozial benachteiligten Familien und solchen mit Migrantionshintergrund wirft. Diese Kinder weisen „in allen Bereichen von Gesundheit und Lebensqualität schlechtere Ergebnisse“ auf.

Für die Mehrheit der Kinder gelte jedoch: „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen: Im Großen und Ganzen geht es den Kindern in Deutschland gut. Die meisten Kinder sind sportlich aktiv, normalgewichtig und ausgeglichen.“ So die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Es handelt sich um die erste Studie zu diesem Thema, die in dieser Breite durchgeführt worden ist. Die 380 Seiten starke Studie wurde zwischen Mai 2003 und Mai 2006 durchgeführt und wird im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht, soll aber auch über den Buchhandel erworben werden können.

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Quellen