Schweine haben keine „Schweinegrippe“

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Veröffentlicht: 23:14, 3. Mai 2009 (CEST)
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Bisher wurde kein mit A/H1N1 infiziertes Schwein gefunden.

03.05.2009 – Die Schweinegrippe ist in aller Munde. Seit Tagen berichten die Medien laufend, wo wieder neue Verdachtsfälle aufgetaucht sind. Allerdings werden die Schweine vollkommen zu Unrecht für die Krankheit verantwortlich gemacht, sie können lediglich die Wirtstiere für die Viren sein. Das werde laut Professor Michael Wendt von der Tierärztlichen Hochschule Hannover schon länger angenommen, sei aber wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Tatsache sei jedoch, dass Schweine über Rezeptoren verfügen, die Krankheitserreger anderer Tier-Spezies einschließlich des Menschen annehmen könnten und diese Überkreuz-Verflechtungen eigehen könnten, um neue Subtypen zu generieren.

Anfangs wurde vermutet, dass die Grippeerreger von Schweinen auf den Menschen übertragen werden und so die gegenwärtige rasante Ausbreitung in Gang gesetzt wurde. Bisher wurde jedoch kein infiziertes Schwein gefunden und es gibt auch keine konkreten Hinweise darauf, dass Schweine das Virus überhaupt auf Menschen übertragen können. Der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation Gregory Hartl sagte: „Wir wissen, dass alle Übertragungen bisher von Mensch zu Mensch vor sich gegangen sind“. In zwei neuerlichen Fällen sollte eine Übertragung eines britischen Landwirts auf seine Schweineherde stattgefunden haben, nachdem von einer Mexiko-Reise zurückgekehrt war.

Aufgrund des irreführenden Namens existiert die Vermutung, man könne sich durch Verzehr von Schweinefleisch mit dem Virus anstecken. Einige Staaten, darunter Russland und China, haben inzwischen die Einfuhr von Schweinefleisch aus Mexiko und Teilen der USA untersagt. Die EU-Kommission wehrt sich dagegen gegen die Panikmache. Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou bezeichnete den Verzehr von Schweinefleisch als „sicher, vorausgesetzt, es ist gekocht“. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems, stuft den Verzehr von Schweinefleisch als generell ungefährlich ein, da derartige Viren sich bei Säugetieren in Nase, Rachen und Lunge vermehren, nicht aber im Muskelfleisch.

Der konkrete Ursprung des Virus ist momentan noch unklar. Nach Angaben der WHO handelt es sich um ein neu mutiertes Grippevirus des Typs Influenza A, das genetisches Material enthält, welches sowohl von Schweinen als auch von Vögeln stammen kann. Da das Virus sich allerdings an den Menschen angepasst hat, ist es momentan ungewiss, ob Schweine überhaupt noch dafür anfällig sind, so Mettenleiter. Frühere Grippeviren wären bereits vom Menschen auf Schweine übertragen worden. Zwischenzeitlich gibt es erste Fälle, wo eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen werden konnte, Behörden sprechen nun von einer Pandemie, da räumliche Beschränkungen weggefallen seien. In Deutschland sind bereits insgeamt acht Infizierte, drei H1N1-Erkrankte durch den gleichen menschlichen Überträger, bestätigt. Seit dem 3. Mai besteht in Deutschland Meldepflicht gegenüber den Gesundheitsämtern, jedoch nur für Ärzte. Täglich gibt es neue Verdachtsfälle in Deutschland, erste Fälle würden aus Hongkong und Dänemark gemeldet, das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung spricht von 900 Infizierten in 18 Ländern (weltweit).

Vorübergehend war auch ein Streit darüber entbrannt, wie die Krankheit nun genannt werden sollte. Die Weltgesundheitsorganisation räumte ein, die bisherige Bezeichnung Schweinegrippe sei falsch und man habe sich auf Influenza A (H1N1) geeinigt, doch die Namensvorschläge reichen inzwischen von der Nordamerikanischen über die Mexikanische bis hin zur Neuen Grippe in den Medien. Bauernvertreter befürchten einen Imageverlust, sollte die Viruserkrankung mit dem Verzehr von Schweinefleisch assoziiert werden.

Quellen