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Schiffsunglück in der Ostsee

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Artikelstatus: Fertig 07:59, 3. Nov. 2006 (CET)
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Stockholm (Schweden), 03.11.2006 – Am 1. November ist der 155 Meter lange Containerfrachter „Finnbirch“ aus Schweden bei schwerer See gekentert. Der Unglücksort befindet sich zwischen den Inseln Gotland und Öland. Bei dem Unglück konnte ein Besatzungsmitglied nicht aus dem Meer gerettet werden, ein weiterer Seemann starb im Krankenhaus an den schweren Verletzungen und der erlittenen Unterkühlung. Es gelang der Seerettung jedoch, 13 Menschen aus dem offenen Meer zu retten, nachdem das Schiff untergegangen war.

Es herrschten zum Zeitpunkt des Unglücks extreme Wetterbedingungen. Die Wellen schlugen acht bis zehn Meter hoch, und es herrschte Schneefall. Verursacht wurden die Wellen durch den ersten schweren Herbststurm und dem Tief „Britta“. Dabei wurden auf der Insel Spiekeroog Windgeschwindigkeiten bis zu 156 Kilometern pro Stunde erreicht. Die Behörden registrierten an Teilen der Küste eine Flut, die so hoch wie seit 100 Jahren nicht mehr war.

Die vorhandenen Hubschrauber der schwedischen Seerettung waren mit dem schweren Sturm und dem hohen Seegang, der am Mittwochabend die Situation auf der Ostsee bestimmte, zunächst überfordert, so dass ein Einsatz als zu riskant abgelehnt wurde. Die zehn philippinischen und vier schwedischen Besatzungsmitglieder harrten nach dem Kentern des Schiffes zunächst auf der Außenwand der Backbordseite des gekenterten Schiffes aus. Um 19:37 Uhr sank schließlich das Schiff, so dass die Besatzungsmitglieder ins Wasser springen mussten. Zu diesem Zeitpunkt wurde mit der Rettung begonnen, immer noch unter sehr schwierigen Bedingungen, die einer der Retter so beschrieb: „Die hohen Wellen, der Wind, Schneefall, schlechte Sicht, überall Planken und Container der Last, dazwischen schwammen die Menschen.“ 13 der 14 Besatzungsmitglieder konnten trotz hohem Wellengang von bis zu acht Metern aus dem Wasser geborgen und mit Hubschraubern in das Krankenhaus von Kalmar gebracht werden. Die Suche nach dem letzten noch verbliebenen Mannschaftsmitglied wurde nach zehn Stunden aufgegeben, da keine Aussicht mehr auf Rettung bestand. Ein weiteres Besatzungsmitglied verstarb später im Krankenhaus. Alle geretteten Seeleute erlitten Knochenbrüche, zum Teil Schädelbrüche und Unterkühlungen. Außerdem standen die Geretteten unter schwerem Schock.

Bergungsspezialist Lars Flemström kritisierte im schwedischen Rundfunk die Neuorganisation der schwedischen Seerettung. Die Anzahl der für Einsätze zur Verfügung stehenden Hubschrauber sei nach der Verselbstständigung der Seerettung von der schwedischen Marine reduziert worden, und die vorhandenen Maschinen hätten einen niedrigeren Wirkungskreis. So mussten die Hubschrauber nach zwei Stunden Einsatz zum Tanken zurückfliegen und konnten auch nur sieben Verletzte aufnehmen. Früher wurde die Seerettung in Zusammenarbeit mit dem Militär organisiert, das größere Helikopter einsetzen konnte. Ulf Hallström, der Chef der Seerettung, wies die Vorwürfe jedoch zurück. Die neuen Hubschrauber seien flexibler und entsprächen dem neuesten Stand der Technik. Im Bedarfsfalle könne auch das Militär zu Hilfe gerufen werden.

Ein weiteres Problem geht nun noch von dem gesunkenen Frachter aus. Aus dem in 70 Metern Tiefe liegenden Containerschiff läuft Öl aus.

Quellen