Schachweltmeisterschaft 2008: Ist Anand schneller als die erste indische Mondrakete?

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Veröffentlicht: 17:36, 24. Okt. 2008 (CEST)
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Bonn (Deutschland), 24.10.2008 – Nach dem Remis in der siebten Runde der Schachweltmeisterschaft 2008 kann Anand an einem höchst ungewöhnlichen Wettrennen teilnehmen: Kann der Inder seinen Weltmeistertitel verteidigen, bevor die erste indische Mondrakete Chandrayaan-1 ihr Ziel erreicht?

In der am Donnerstag ausgetragenen siebten Runde der Schachweltmeisterschaft einigten sich Viswanathan Anand und Wladimir Kramnik nach drei Stunden auf Remis. In der 37 Züge währenden risikolosen Partie war am Ende kein realer Gewinnversuch mehr möglich. Experten sind sich einig, dass Kramnik damit seinen Stand nicht verbessert hat. Der Russe hat inzwischen 2 Punkte, während Anand 5 Punkte hat. Der erste Spieler, der 6,5 Punkte erreicht, hat den Zweikampf gewonnen, wobei beim Stand von beiderseitig 6 Punkten ein Tiebreak angesetzt ist.

Während des Zweikampfes startete am Mittwochmorgen vom indischen Weltraumbahnhof Satish Dhawan die erste indische Mondrakete, die nach fünf Tagen den Erdtrabanten erreichen kann. Anand kann theoretisch noch vorher seinen Titel verteidigen. Die nächste Partie, die symbolisch von Peer Steinbrück eröffnet werden soll, ist für den heutigen Freitag angesetzt. Anschließend wird nach einem Ruhetag am Sonntag die neunte Partie folgen, nach der Anand bereits den Zweikampf beendet haben könnte, falls ihm noch ein Sieg gelingt.

Unterdessen äußerten Anand und Exweltmeister Anatoli Karpow Kritik an den nach der sechsten Partie vorgenommenen Dopingproben. Anand nannte Dopingmittel völlig nutzlos, obwohl er nachvollziehen könne, dass olympische Sportarten Dopingkontrollen bräuchten. Der Inder gab an, Schach gerne als olympischen Sport haben zu wollen. Der russische Exweltmeister äußerte sich ebenfalls gegen Dopingkontrollen und kritisierte dabei unter anderem FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow. In Bezug auf die WM-Kämpfe wünschte er gegenüber der Zeitung Neues Deutschland „keine Experimente mehr: Kandidatenturniere – WM-Match – Punkt“. Der deutsche Schachgroßmeister und ehemalige Weltranglistendritte Robert Hübner sieht hingegen Schach nicht als Sportart, sondern als Kulturgut an. Er bemängelt auch die fehlenden Qualifikationsrichtlinien für WM-Zweikämpfe.

Quellen