Nach Kofferbomben: Muslimische Verbände verurteilen Terror

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Artikelstatus: Fertig 19:20, 27. Aug. 2006 (CEST)
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Die Moschee der DITIB

Köln (Deutschland), 27.08.2006 – In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die größten muslimischen Verbände in Deutschland am Freitag, den 25. August von den vereitelten Terroranschlägen auf zwei Regionalbahnen Nordrhein-Westfalens der letzten Wochen distanziert. Unter dem Slogan „Nicht in unserem Namen! Muslimische Verbände gegen Terror und Gewalt“ ächteten die 16 Verbände die versuchten Attentate und betonten, dass solche Taten durch den Islam nicht gerechtfertigt werden könnten. Sie bezeichnen den Terror in der veröffentlichten Pressemitteilung als „Verbrechen gegen die Menschheit“.

Die Verbände riefen die in Deutschland lebenden Muslime dazu auf, sich noch stärker dem gesamtgesellschaftlichen Dialog zu öffnen, und warnten gleichzeitig die Politik vor einer überstürzten Schmälerung von Freiheitsrechten. Auch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die im Moment von der Politik diskutiert würden, reichten nicht aus, um absolute Sicherheit zu garantieren. Auch dürften Muslime in Deutschland nicht unter Generalverdacht stehen. Um dies zu verhindern, fordert die Erklärung, sollten die Ereignisse sachlich diskutiert werden.

Für Edmund Stoiber ist die gemeinsame Erklärung der muslimischen Verbände ungenügend.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat angekündigt, in Zukunft besser mit Sicherheitsbehörden zu kooperieren und Informationen schneller auszutauschen. Das gab der Generalsekretär des Zentralrats, Aiman Mazyek, gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ bekannt. Das Pilotprojekt soll in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in Angriff genommen werden. Als Ziel wird angegeben, „Hemmschwellen und Ängste“ gegenüber der Polizei abzubauen und die gegenseitigen Kontakte zu verbessern. Mazyek betonte jedoch, dass auch schon jetzt in Moscheen auffällig gewordene radikal-islamistische Hetzer der Polizei gemeldet worden seien.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bezeichnete die Presseerklärung und die darin enthaltene Distanzierung von den Terroranschlägen unterdessen als nicht ausreichend und forderte Taten von den in Deutschland lebenden Muslimen. „Die gemeinsame Verurteilung des Terrors durch deutsche Muslim-Verbände ist ein überfälliger erster Schritt, reicht aber nicht aus“, sagte Stoiber der „Bild am Sonntag“. Es könne nicht sein, dass die westlichen Werte in Moscheen als minderwertig herabgesetzt würden. Muslimische Gemeinden müssten sich mit mehr Engagement gegen den internationalen Terror stellen. Stoiber verlangt von muslimischen Gebetszentren, sie müssten Extremisten „entlarven, ausstoßen und den Sicherheitsbehörden melden“.

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Quellen