Macao: Ehemaliger Minister wegen Korruption angeklagt

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Veröffentlicht: 16:23, 5. Nov. 2007 (CET)
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Das Wynn Macau-Kasino

Macao (Volksrepublik China), 05.11.2007 – Im bisher größten Schmiergeldskandal nach der Rückgabe der portugiesischen Kolonie an China im Jahr 1999 begann am heutigen Montag der Prozess gegen den ehemaligen Minister für Transport und öffentliche Arbeit (MSAR), Ao Man. Dem im Dezember vergangenen Jahres festgenommenen Ao wird vorgeworfen, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben, sowie Veruntreuung und Amtsmissbrauch in insgesamt 76 Fällen.

Von Polizei eskortiert erreichte Ao am Montagmorgen das Gerichtsgebäude. Wegen seines hohen Amtes landete der Fall direkt bei dem höchsten Gericht der chinesischen Sonderverwaltungszone. In einer viermonatigen Untersuchung hatten Ermittler Gelder in London und Hong Kong in Höhe von insgesamt 800 Millionen Patacas – das sind etwa 69 Millionen Euro – entdeckt, mehr als 57-mal soviel wie das komplette Familieneinkommen in den sieben Jahren seiner Amtszeit.

Die ehemalige Kolonie von Portugal, etwa 60 Kilometer westlich von Hong Kong gelegen, ist der einzige Ort in China, in dem Glücksspiel erlaubt ist. Seit dem Jahr 2002, als Macaos Regierung beschloss, das Monopol abzuschaffen, investierten Größen aus Las Vegas wie Steve Wynn und Sheldon Adelson Milliardenbeträge in den Bau neuer Luxuscasinos, beispielsweise in das dem Spielcasino der Stadt Venedig nachempfundene Venetian.

Staatsanwalt Sam Hou verlas die Anklageschrift, in der Ao vorgeworfen wird, Schmiergelder von Baufirmen erhalten und diesen dafür lukrative Aufträge im privaten und öffentlichen Sektor beschafft zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Ao eine dreiprozentige Gebühr von Bauunternehmen verlangt haben, um Kontakt zu westlichen Investoren zu bekommen. Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Investoren und den von Ao empfohlenen Firmen gibt es jedoch nicht. Aos Anwalt sagte, die ersten der mehr als 100 Zeugen würden ab Freitag in der einen Monat andauernden Verhandlung aussagen. Im Falle einer Verurteilung drohen Ao bis zu 25 Jahre Gefängnis.

Die vor der Rückgabe an China häufigen Schießereien zwischen rivalisierenden Triaden sind inzwischen selten geworden. Experten warnten jedoch, dass die organisierte Kriminalität hier wieder Fuß fassen könnte.

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Quellen