Londoner Polizei überdenkt Todesschüsse

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London (Großbritannien), 20.08.2005 – Nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“ überprüft die Londoner Polizei die umstrittene Politik der gezielten Todesschüsse. Die Polizei möchte jedoch grundsätzlich an der „shoot to kill“ genannten Praxis festhalten, vermeintliche Selbstmordattentäter gezielt zu töten und so zu verhindern, dass sie ihre Bomben zünden.

Überprüft werden soll hingegen, welche nicht-tödlichen Waffen es gibt, mit deren Hilfe mutmaßliche Selbstmordattentäter schnell handlungsunfähig gemacht werden könnten. Dies könnten zum Beispiel Elektroschockpistolen sein. Außerdem soll geklärt werden, wieviele Geheimdienstinformationen vorliegen müssen, bevor die Genehmigung zum Schießen erteilt werden soll und wie unter Zeitdruck Informationen weitergeleitet werden können. Zudem soll die Kommunikation zwischen der Befehlsebene und den Ausführenden, die einen Verdächtigen verfolgen, verbessert werden.

Es stellt sich die Frage, ob es in einem Rechtsstaat erlaubt sein sollte, Menschen aufgrund eines Verdachtes zu töten, da ihnen dabei keine Möglichkeit gegeben wird, die Beschuldigung eventuell zu entkräften. Dadurch besteht auch das Risiko, dass Unschuldige getroffen werden – wie im Fall des Brasilianers Jean Charles de Menezes, der am 22. Juni von Polizeibeamten in einer Londoner U-Bahnstation erschossen wurde.

Hohe Polizeibeamte haben sich während des letzten Monats getroffen, um über den Vorfall vom 22. Juni zu diskutieren. Sie bekräftigten die Absicht, an der „shoot to kill“ Praxis festzuhalten. Polizeichef Ian Blair sagte dazu, dass die Methode, die angewandt wurde, die letzte und schlimmste Option sei. Er sei jedoch von der Methode überzeugt und bekräftigte, dass sie weiter angewandt werde. Es sollen aber Regeln erarbeitet werden, die das Risiko der Tötung Unschuldiger vermindern sollen. Unterdessen fordert die Familie von Charles de Menezes den Rücktritt von Polizeichef Sir Ian Blair.

In Deutschland ist es Polizisten verboten, aufgrund eines Verdachtes Menschen zu töten.

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Quellen