Chile: Nach den Erdbeben kommen die Plünderer

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Veröffentlicht: 20:42, 2. Mär. 2010 (CET)
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Santiago de Chile (Chile), 02.03.2010 – Drei Tage nach dem schweren Erdbeben ist die Lage im Erdbebengebiet weiterhin chaotisch. Zunehmende Probleme verursachen Plünderer, die leerstehende Häuser ausrauben. Zwar haben rund 36 Stunden nach dem Erdbeben Einheiten der Armee die Stadt Concepción erreicht, konnten aber Raubzüge nicht verhindern. Ein Kaufhaus – nach anderen Meldungen ein Supermarkt mit Einkaufszentrum – in der mehrere hunderttausend Einwohner zählenden Stadt wurde am Montag, dem 1. März in Brand gesteckt, nachdem die Polizei mit Tränengas Plünderer zurückgedrängt hatte. Diese hatten zuvor mitgenommen, was verwertbar war. Anfänglich hätten nur vereinzelt Menschen genommen, was sie dringend benötigten, aber dann entwickelten sich die Plünderungen zu organisierten Raubzügen, die vor allem Elektrogeräte zum Ziel hatten. Es gibt Berichte, dass bei diesem Brand 20 Personen getötet wurden. Für diese Information gibt es jedoch keine Bestätigung.

Die scheidende Präsidentin Michelle Bachelet entsandte weitere 5000 Soldaten in die Katastrophenregion, um der Lage Herr zu werden. Es wurde eine Ausgangssperre verhängt. Diese gilt außer für Concepción noch für Cauquenes, Constitución und Talca. Vereinzelt sind Plünderer mit Waffengewalt in Wohnhäuser eingedrungen und raubten die Bewohner aus. Mancherorts wurden deswegen Bürgerwehren aufgestellt und Straßensperren errichtet.

In Vororten Concepcións lieferten sich Soldaten und Bürgerwehren mit Plünderern Schießereien, Tote habe es gegeben. Die Deutsche Presseagentur verbreitete einen Lagebericht von Claudia Lagos, einer Lehrerin an der Universität von Chile, nach der in San Pedro de la Paz zwei Personen erschossen wurden. Vize-Innenminister Patricio Rosende sagte der Presse, dass bisher 160 Menschen festgenommen wurden. Viele Menschen sind offenbar gezwungen, sich durch Einbrüche in Lebensmittelgeschäften zu versorgen, da Trinkwasser und Lebensmittel Mangelware sind; auch die Strom- und Gasversorgung funktionieren nicht.

Zerstörungen durch den Tsunami bei San Antonio

Unterdessen ist die Zahl der Erdbeben- und Tsunamiopfer weiter gestiegen. Innenminister Edmundo Pérez Yoma nannte inzwischen die Zahl von 723 registrierten Toten, wies aber daraufhin, dass der Tsunami manche Ortschaften vollständig mitgerissen habe. „Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten werden wir bekommen“, stellte er fest. Viele der zwei Millionen betroffenen Bewohner sind obdachlos.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kam als erster ausländischer Politiker nach der Katastrophe nach Chile und bot dem Land die Unterstützung seines Landes an. Chile hat inzwischen bei der Europäischen Union um Unterstützung gebeten. Wie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton mitteilte, brauche Chile Hilfe bei der Reparatur von Brücken und Telekommunikationsverbindungen. Außerdem würden Wasseraufbereitungsanlagen sowie Hilfe bei der medizinischen Versorgung benötigt. „Die Bundesregierung steht bereit, bei der Bewältigung der Folgen zu helfen“, hieß es in Berlin.


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Quellen