Airbus: Verhandlungen über Verkauf der Standorte Varel, Nordenham und Augsburg gescheitert

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Veröffentlicht: 17:46, 27. Mär. 2008 (CET)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.

Paris (Frankreich), 27.03.2008 – Die Verhandlungen über den Verkauf der beiden norddeutschen Airbusstandorte in Varel und Nordenham sowie des Standorts Augsburg in Bayern sind gescheitert. Im Rahmen der Sanierungsstrategie von Airbus („Power8“) plant die Firma den Verkauf von insgesamt sechs Werken in Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Von den Sparmaßnahmen sind 9.400 Beschäftigte betroffen. Diese Fakten gab heute der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS bekannt. Noch am Freitag letzter Woche war das Scheitern der Verhandlungen dementiert worden. Weiter hieß es in der vorigen Woche, die Verhandlungen würden durch die Schwäche des Dollars und die unruhige Situation auf den Finanzmärkten belastet.

Als aussichtsreicher Kandidat für die Übernahme der deutschen Standorte war bisher ein Konsortium aus MT Aerospace und OHB Technology gehandelt worden. Die OHB Technology ist in den Geschäftsfeldern Raumfahrtsysteme, Raumtransport und Satellitenbetrieb tätig. MT Aerospace, eine Tochter der Bremer OHB-Gruppe, ist nach eigener Aussage ein „etablierter Zulieferer für die Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie“. Zu seiner Produktpalette gehören Raketenteile, Treibstofftanks und Radioteleskope. OHB Technology hat 1.200 Beschäftigte und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 219 Millionen Euro (plus 34 Prozent), MT Aerospace hat 570 Mitarbeiter (Umsatzziel für 2007: 110 Millionen Euro). Wie Airbuschef Tom Enders heute sagte, konnte das von Airbus gesteckte Ziel mit diesen Partnern nicht erreicht werden: „Wir haben immer gesagt, dass wir nur an ökonomisch und industriell gesunden Lösungen interessiert sind. Wir wollen die Zukunft dieser Standorte mit starken Partnern sicherstellen, die die Technologie- und Entwicklungskosten sowie Kapitalinvestitionen teilen und in der Lage sind einen großen Produktionsoutput zu konkurrenzfähigen Kosten zu liefern. Mit OHB gelangten wir einfach nicht an diesen Punkt.“ (übersetzt aus dem Englischen) Enders sagte weiter, der Konzern halte an seinem Ziel fest, die Voraussetzungen für die Erfüllung des Zeitplans für die Auslieferung des A350 zu schaffen.

Die Arbeitsplätze der Airbus-Mitarbeiter in Hamburg scheinen bis auf Weiteres gesichert zu sein. Gestern war bekannt geworden, dass die A320-Endmontage nun auch am Hamburger Standort beginnen soll. Gegenüber Financial Times Deutschland sagte eine Sprecherin des Unternehmens, im laufenden Jahr sollen in Hamburg zehn A320-Modelle gefertigt werden. Die Flugzeuge der Kleinserie von Airbus waren bisher ausschließlich in Toulouse gefertigt worden. Die Planungen sehen für die kommenden Jahre einen weiteren Anstieg der Zahl der in Hamburg endmontierten A320-Modelle vor. In der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts ist geplant, auch das Nachfolgemodell des A320 in Hamburg montieren zu lassen.

Im Zusammenhang mit der Vergabe eines lukrativen Rüstungsauftrages durch das US-Verteidigungsministerium an EADS befürchten die Gewerkschaften einen Abbau von Arbeitsplätzen in Europa. Sie lehnen das Sanierungsprogramm „Power8“ ab, weil damit Arbeitsplätze bedroht würden. Bis 2010 sollen durch das Sparprogramm 10.000 Stellen bei Airbus abgebaut werden.

Themenverwandte Artikel

Quellen