Tragödie in Lissabon – War der Unfall der Standseilbahn vorauszusehen?
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Tragödie in Lissabon – War der Unfall der Standseilbahn vorauszusehen?

Lissabon (Portugal), 10.09.2025 – Am Abend des 3. September 2025 entgleiste in der Hauptstadt Portugals die bei Touristen beliebte, seit über 150 Jahren bewährte Standseilbahn „Ascensor da Glória“ und schlug frontal in eine Hauswand ein. 16 Menschen wurden aus dem Leben gerissen, Dutzende teils schwer verletzt. Die Ursache ist noch ungeklärt, der Betreiber sieht sich keiner Schuld bewusst. Augenzeugen berichteten von einem gerissenen Zugseil, in diesem Falle sollte es jedoch mehrere, redundant ausgelegte Sicherheits- und Notbremssysteme geben. Doch wenn man sich die Geschichte der Ikone Lissabons anschaut, stellt sich schnell die Frage, ob das Unglück vorhersehbar war.
Standseilbahnen gelten international als sehr sicher, die Unfälle mit Personenschäden lassen sich an einer Hand abzählen. Am Ascensor da Glória gab es seit der Eröffnung 1885 keine Unfälle mit Personenschäden, doch es gab einige bemerkenswerte Zwischenfälle in der näheren Vergangenheit.
Im Mai 2018 passierte ein ähnliches Unglück, glücklicherweise bei einer Betriebsfahrt, sodass niemand zu Schaden kam. Seit Tagen hatten Anwohner bemängelt, dass eine der Kabinen seltsame Geräusche von sich gab und teilweise außerhalb der Schienen lief. Einige Zeit später entgleiste einer der Waggons und kippte um. Anfänglich meldete der Betreiber, die Lissabonner Verkehrsgesellschaft, den Vorfall nicht. Eine spätere Untersuchung stellte gravierende Wartungsmängel an den Radkränzen und Laufwerken fest, diese waren vollständig verschlissen und seit Jahren nicht gewartet worden.
Wartungen sind von der portugiesischen Behörde für Flug- und Eisenbahnsicherheit in regelmäßigen Abständen vorgeschrieben, eine Generalüberholung und das Auswechseln der Zugseile ist nach 1500 Betriebstagen, also gut vier Jahren, vorgeschrieben. Eine vollständige Kollaudierung der Anlage ist im Zweijahresabstand notwendig; damit liegen die Vorschriften innerhalb der europäischen Standards. Die Wartungen werden seit 2022 von einem Subunternehmen durchgeführt.
Interessanterweise gab es auch kurz vor dem Unfall Kritik am Zustand der Bahn. Arbeiter bemängelten eine Überspannung des Zugseils und Anwohner berichteten von Vibrationen im Zug. Ein Pendler sagte nach dem Unfall gegenüber der Zeitung Público: „Das letzte Mal als ich mit dieser Bahn gefahren bin, war ich voller Angst. Die Schienen waren komplett verschlissen […], die Bahn läuft nur mehr auf Hoffnung und Gebet.“
Ein vorläufiger Unfallbericht wird innerhalb von 30 Tagen von den portugiesischen Behörden erwartet.
(Amwenti)
Links
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Quellen
[Bearbeiten]- Público: „Lisboa: O elevador da Glória descarrilou e ninguém disse nada (Lissabon: Der Gloria-Aufzug entgleist und niemand sagte etwas)“ (17.05.2018)

- Público: „Elevador da Glória: cabo partiu e originou acidente que provocou quinze mortes (Elevador da Glória: Kabel riss und verursachte einen Unfall mit fünfzehn Todesopfern)“ (03.09.2025)

- Bluewin: „"Only drove with fear" – local residents had been warning about the funicular for some time“ (04.09.2025)
