Tour-Sieger Floyd Landis positiv getestet

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Artikelstatus: Fertig 21:09, 28. Jul. 2006 (CEST)
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Paris (Frankreich), 28.07.2006 – Nachdem der internationale Radsportverband UCI am Mittwoch bekannt gegeben hatte, dass es eine auffällige Dopingprobe während der diesjährigen Tour de France gegeben habe, wurde bekannt, dass die positive A-Probe dem Tourgesamtsieger Floyd Landis gehört. Es hatte im Laufe des Tages schon Spekulationen gegeben, dass Landis der positiv getestete Fahrer sei, da er überraschend alle Teilnahmen an Rennen abgesagt hatte, obwohl er sich in guter Verfassung befand, was er noch am Dienstag mit einem Sieg in den Niederlanden bewies.

Landis hatte auf der 16. Etappe der Tour de France mehr als acht Minuten auf seine Gegner verloren und hatte eigentlich keine Chancen mehr auf das Gelbe Trikot, als er auf der 17. Etappe eine beeindruckende Alleinfahrt durch die Alpen zeigte und seinen Rückstand fast komplett kompensieren konnte und somit den Grundstein zum Tour-de-France-Sieg legte. Jedoch wurde in seiner Dopingprobe nach der 17. Etappe ein erhöhter Testosteron/Epitestosteron-Wert nachgewiesen. Landis droht, sollte auch die B-Probe positiv sein, die Aberkennung des Gesamtsiegs und eine zweijährige Sperre. Er wurde von seinem Team bis auf Weiteres suspendiert.

John Lelangue, Manager des Team Phonak, sagte in einem Interview, dass er von dem Ergebnis überrascht gewesen sei. Er werde aber hinter Landis stehen, solange die B-Probe und alle nötigen Untersuchungen ihn nicht als Dopingsünder überführten. Ansonsten erhalte Landis umgehend die Kündigung.

In einer ersten Stellungnahme bestritt Floyd Landis, dass er gedopt habe. Er habe dennoch keine Illusionen über die B-Probe. In einem Interview mit SI.com erklärte Landis, dass er seit einem Jahr Probleme mit der Schilddrüse habe und bei einer positiven B-Probe mit Hilfe des spanischen Arztes Luis Hernandez beweisen wolle, dass der hohe Testosteron-Wert natürliche Ursachen habe.

Reaktionen und Kommentare zum Fall „Floyd Landis“

Während die Financial Times Deutschland vermutet, der „Mythos der Tour“ sei „unkaputtbar“, weil dem Publikum „das Spektakel sich schindender Athletenkörper und die Möglichkeit zur Heldenverehrung, die der Sport bietet“, wichtiger sei als „die Glaubwürdigkeit der Protagonisten“, reagierten einige Verantwortliche mit Entsetzen: „Das alles ist nur noch ekelerregend. Vielleicht sollten wir den gesamten Profiradsport sechs Wochen stoppen“, so Teamchef Hans-Michael Holczer vom Team Gerolsteiner. Das ZDF überlegt nach den Worten seines Chefredakteurs, Nikolaus Brender, sogar die Einstellung der weiteren Berichterstattung über die Tour de France. Brender wörtlich: „Wir haben einen Fernsehvertrag über eine Sportveranstaltung und nicht über eine Pharma-Leistungsschau abgeschlossen.“ Von einem Schlag für den Radsport sprach T-Mobile-Sprecher Christian Frommert, bewahrt sich jedoch seinen Optimismus: „Jetzt ist der Reflex ausgelöst, dass man sagen könnte: Die nehmen doch alle etwas. Aber ich weigere mich, daran zu glauben.“ Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Danckert (SPD), hofft auf die heilende Wirkung des Schocks: „Dieser Fall müsste eigentlich dem Letzten die Augen geöffnet haben“, um sogleich die Forderung nach einem harten Antidopinggesetz nachzuschieben. Um der Drahtzieher des Dopings im Hintergrund habhaft zu werden, erwägt er sogar die Einführung einer Kronzeugenregelung. Danckert sei der festen Überzeugung, dass „etwa 60, 70 Prozent der Teilnehmer der Tour de France gedopt sind“, sagte der Politiker im Deutschlandfunk. Das Manager-Magazin sah den Radsport schon vor dem Tourbeginn, nach dem ersten Dopingskandal, am Scheideweg: „Wenn es der Radsport nicht schafft, sich genau jetzt selber nachweislich zu säubern, dann wird er keine nächste Chance bekommen.“

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Quellen