Immer mehr Stars lassen sich Tätowieren – Schmuck, Modeerscheinung oder Tieferer Sinn?

aus Wikinews, einem freien Wiki für Nachrichten
Wechseln zu: Navigation, Suche
Veröffentlicht: 16:13, 13. Okt. 2017 (CEST)
Bitte keine inhaltlichen Veränderungen vornehmen.
Eine tätowierte Frau
Bill Kaulitz (2010)

Deutschland, 12.10.2017 – Bill Kaulitz der als Sänger der Band Tokio Hotel weltbekannt wurde zeigte auf Instagram seinen neuen außergewöhnlichen Tattoos. Er hat sie sich selbst gestochen. Jetzt herrscht große Nachfrage, viele wollen eine Tattoo von Bill Kaulitz auf der eigenen Haut tragen. Der Sänger, der immer wieder mit seinem besonderen Stil aufgefallen war, ist nicht die einzige Berühmtheit die sich mit Tattoos schmückt. Besonders bei Fußballern sind mehr oder minder große Tätowierungen bereits üblich. Nur wenige Spieler fallen nicht durch gut sichtbare Arm- oder Bein-Tattoos auf. Bei anderen Sportarten waren Tattoos bisher nicht üblich. Das ändert sich jetzt aber. Da erhebt sich die Frage: Warum waren Tattoos in manchen Sportarten fast zwanghaft - und in anderen nicht? Was motiviert Sportler, sich Arme, Beine oder Rücken tätowieren zu lassen? Das Ergebnis dieser Betrachtung erstaunt nicht. Die Motive, sich Tattoos stechen zu lassen, sind so verschieden wie die Sportler selbst.

Tätowierte Sportler: allgemeiner Trend oder individuelles Bedürfnis?[Bearbeiten]

Dass Tätowierungen nicht mehr als Verunzierungen, sondern als Körperkunst betrachtet werden, ist mittlerweile klar. Eines der Motive unter Sportlern, Tattoos zu tragen, könnte im Finanziellen liegen. Viele Sportler verdienen genug Geld, um sich das Stechen aufwendiger Tattoos leisten zu können. Ein zweiter Grund liegt ganz sicher in einem durchtrainierten Körper, der durch definierte Muskeln und gute Proportionen glänzen kann. Die geeignete Zeit für einen Sportler, sich ein größeres Tattoo stechen zu lassen, ist die trainingsfreie Zeit. Im Urlaub oder während der Rekonvaleszenz nach einer Verletzung kann das neue Tattoo in aller Ruhe abheilen. Grund drei für die Tattoowelle unter Sportlern ist der Umstand, dass manche Individuen dadurch ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl entwickeln. Ein Athlet ohne Tattoo hat heutzutage nur noch gefühlt Seltenheitswert. In der Bevölkerung hat mittlerweile jeder Vierte eine Tätowierung. Der Trend zum Tattoo setzt sich also ungebrochen fort. Warum sollte er da gerade die Athleten aussparen? Den meisten sind Tätowierungen ein individuelles Bedürfnis, das zugleich einen aktuellen Trend bedient. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.

Die Tätowierung als Imagefaktor[Bearbeiten]

Tätowierungen sind mittlerweile fast ein Marken-Kennzeichen. Sie dienen unter anderem dem Imagegewinn. Als Handballer Stefan Kretzschmar sich 1996 mit Tattoos und blondierter Punk-Friese als Rebell unter den Handballern präsentierte, brach er mit einem Tabu. Tattoos erzählen Geschichten von verflossenen Liebesbeziehungen. Sie verewigen Kinderliebe oder werden bedeutenden Siegen gewidmet. Es waren zuerst die Enfant Terribles, die Tattoos unter Sportlern salonfähig machten. Ob man Ex-Basketballer Dennis Rodman als gelungenes Gesamtkunstwerk ansehen kann, ist fraglich. Aber bei Jerome Boatengs kunstvoll verziertem Alabasterkörper können die Damen schon ins Schwärmen kommen. 

Bei Boxer Mike Tyson dagegen sollten die martialischen Gesichtstattoos Schrecken verbreiten. Das schaffte Cassius Clay auch ganz ohne. Doch zu seiner Zeit galten Tattoos noch als primitiv. Sie waren damals vor allem den Seeleuten vorbehalten. In Ländern wie Neuseeland und Japan entwickelte sich das Tätowieren derweil zur Kunstform. Was wäre ein David Beckham ohne seine Tattoos? Ungewöhnliche Tätowierungen unterscheiden einen Spitzensportler vom Allerwelts-Typen. Beckham hat seine Tattoos wohl bedacht in Auftrag gegeben. Er wurde mit seinem Tattoo-verzierten Körper sogar zum Unterwäschemodell. Sportler sind eben nicht mehr nur Sportler, sondern auch gut bezahlte Werbe-Ikonen und Markenbotschafter. Ein Babyface wie Mario Götze lässt sich in dieser Beziehung weit weniger gut vermarkten als ein markanter Typ wie Jerome Boateng. 

Für sportliche Frauen wie Männer zählt unter anderem der Symbolgehalt eines Tattoos. Wilde Löwen, elegante Gazellen oder zupackende Tiger verraten einiges über den sportlichen Anspruch. Wenn eine Hochspringerin sich in einer Sinnkrise nach einem Burn-out einen Tiger stechen lässt, dient dieser vermutlich als Motivationshilfe. Tennisspielerin Julia Görges gibt sich verspielt. Sternchen an einem weiblichen Handgelenk sind eher ein zurückhaltendes Statement. Fußballerin Kim Kulig ist da mutiger. Sie ließ sich das Motto "Mut und Leidenschaft" stechen - allerdings in dekorativen arabischen Schriftzeichen. Mancher Sportler möchte seine Botschaft nicht allzu offen auf der Haut tragen. Die Tattoo-Bedeutung ist in diesem Fall sehr persönlich. Sie stellt Fragen. Und vielleicht soll sie das auch. Für Kim Kulig gleicht dieses Tattoo sicher in der Wirkung einem Mantra. Für andere ist es lediglich ein rätselhaft bleibender, aber interessant anzusehender Körperschmuck.



Wikinews commentary.svg     Kommentar hinzufügen


Quellen[Bearbeiten]