HIV-positiver Mann in Dallas zu 35 Jahren Haft verurteilt, weil er Polizisten ins Gesicht spuckte

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Veröffentlicht: 11:07, 20. Mai 2008 (CEST)
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Dallas (Vereinigte Staaten), 20.05.2008 – Ein HIV-positiver Mann ist am 14. Mai 2008 von einem Gericht in Dallas County, Texas, zu 35 Jahren Haft verurteilt worden, weil er einem Polizisten ins Gesicht gespuckt hatte. Der Vorfall hatte sich schon im Mai 2006 ereignet, war jedoch erst jetzt zur Entscheidung gelangt.

Der Vorfall ereignete sich, als sich der Beschuldigte, der obdachlose Willie Campbell (35), der Verhaftung durch den Polizeibeamten Dan Waller (42) widersetzte, der ihn festnehmen wollte.

Officer Waller kam zum Tatort, nachdem Passanten ihn auf einen bewusstlosen Mann aufmerksam gemacht hatten, der außerhalb eines Gebäudes lag. Campbell habe sich gegen die herbeigerufenen Sanitäter gewehrt und den Polizeioffizier getreten, der ihn wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit (public intoxication) verhaften wollte. Campbell habe sich dann zu ihm umgedreht und ihm ins Gesicht gespuckt, so dass Speichel in seine Augen und seinen Mund gelangt sei. Daraufhin habe Campbell ihm eröffnet, dass er AIDS habe, so Waller in seiner Aussage.

Entscheidend für das hohe Strafmaß war die Wertung der Geschworenen-Jury, dass Campbells Speichel im juristischen Sinne als tödliche Waffe (use of a deadly weapon) zu werten sei. Dadurch kann der Verurteilte nach der Rechtslage frühestens nach Verbüßung von mindestens der Hälfte seiner Haftzeit, das heißt siebzehneinhalb Jahren, wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Außerdem habe der Angeklagte, so der Richter Russell Heinrichs in seiner Urteilsbegründung, ein beachtliches Register an Vorstrafen, mit früheren Angriffen auf Polizeibeamte etc., so dass er als Wiederholungstäter anzusehen sei.

Das Urteil stieß auf scharfe Kritik von Interessenverbänden von HIV-Infizierten und Organisationen der Lesben- und Schwulenbewegungen, die es als maßlos und überzogen bezeichneten und darauf verwiesen, dass die Gefahr einer Übertragung von HIV auf diesem Weg über Speichel nach Erkenntnissen des CDC extrem gering sei. Tatsächlich haben die ärztlichen Nachuntersuchungen der involvierten Polizisten auch bei keinem eine HIV-Infektion feststellen können.

Quellen