Ethisch-moralisch zweifelhafte Hirnforschung aufgedeckt

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Röntgenbild nach der Pneumoenzephalografie

Schwalmstadt (Deutschland), 30.04.2018 – Der Gehirnforscher Willi Enke führte in 1950er und 1960er Jahren im hessischen Hephata-Kinder- und Jugendheim ethisch-moralisch zweifelhafte Hirnforschung an Heimkindern durch. Es entstanden Folgeschäden bei den ehemaligen Betroffenen, weil Enke ihnen mittels Spritze über das Rückenmark die Hirnflüssigkeit aus dem Kopf abgelassen und den Schädelraum mit Luft gefüllt haben soll. Diese Pneumoenzephalografie ist eine sehr schmerzhafte Untersuchung, die von Enke an den wehrlosen, schwer erziehbaren Kinder vielfach durchgeführt wurde. Anschließend habe er ihre Gehirne geröntgt, weil er belegen wollte, dass Gehirnschäden die Ursache für Verhaltensauffälligkeiten sind. Er verfügte auch über eine Kontrollgruppe von Sprechstundenkindern, an denen er sich in gleicher Weise verging. Das Landesmagazin de Facto des Hessischen Rundfunks berichtete über die Fälle von etwa hundert Betroffenen, die aus einem von den wissenden Ärzten zu bildenden Fond entschädigt werden sollten. Aufgedeckt wurde der Skandal durch die Filmemacherin Sonja Toepfer. Außerdem sollen Aufzeichnung in den Krankenakten fehlen. Grundsätzlich wird das Vorgehen mit den weitreichenden Freiräumen des Arztes erklärt. Der Gießener Medizinhistoriker Volker Roelcke sieht diese Hirnforschung in der Tradition des Nationalsozialismus.


Quellen[Bearbeiten]