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EU-Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft getreten

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Veröffentlicht: 23:18, 3. Mai 2026 (CEST)
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EU-Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft getreten
Europa und Südamerika bauen Handelskooperation aus


Brüssel (Europäische Union), 03.05.2026 Um Mitternacht Mitteleuropäischer Sommerzeit zum 1. Mai ist das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraquay und Uruguay in Kraft getreten. Es schafft nach jahrzehntelangen Verhandlungen die größte Freihandelszone der Welt.

„Mit dem Start des EU-Mercosur-Abkommens zum 1. Mai gewinnt der Handel mit Südamerika für deutsche Unternehmen erheblich an Bedeutung – obwohl er bislang nur rund ein Prozent des gesamten deutschen Außenhandels ausmacht“, teilte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) mit. Dass einer Umfrage zufolge 44 Prozent der am Außenhandel beteiligten Unternehmen spürbare Auswirkungen erwarten würden, sei „ein starkes Signal“, kommentierte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier das Inkraftreten des Abkommens. Der schrittweise Abbau von Handelsschranken und Zöllen böte große Chancen für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Arzneimittelbranche.

Das Abkommen war bereits im Januar unterzeichnet worden, ist allerdings erst vorläufig in Kraft, weil es noch nicht ratifiziert wurde: Neben den Mitgliedstaaten der EU muss auch das Europäische Parlament dem Vertragswerk noch zustimmen. Dem gingen Verhandlungen voraus, die mehr als 25 Jahre gedauert haben. „Das Mercosur-Abkommen ist weit mehr als Handel: Es ist ein klares Signal gegen Protektionismus. Gerade in geopolitisch angespannten Zeiten zeigen die EU und die Mercosur-Staaten, dass eine faire und regelbasierte Partnerschaft auf Augenhöhe möglich ist“, sagte Bernd Lange (SPD), der Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament ist.

Lange erwartet, dass die Vorteile des Abkommens sich schnell auswirken und so noch bestehende Zweifel ausräumen. Die Abgeordneten hatten im Januar das Abkommen nur mit einer knappen Mehrhet angenommen und den Vertragstext dem Europäischen Gerichtshof zur Überprüfung zugeleitet. Deswegen wird das Abkommen zunächst nur vorläufig angewendet.

Auf Gegenwehr stieß das Freihandelsabkommen vor allem in der Landwirtschaft. Lobbyisten behaupteten, dass das Abkommen die europäischen Standards für Verbraucher- und Umweltschutz, sowie den Tierwohl unterlaufen würde. Die EU-Kommission wies dies zurück. Ihr zufolge müssten auch künftig einzuführende Produkte die europäischen Vorschriften erfüllen müssen. Zusätzlich hatte die EU-Kommission zusätzliche Sicherheitsklauseln eingearbeitet, um den anhaltenden Bauernprotest zu entkräften. Dazu gehören Gegenmaßnahmen, falls es durch gestiegene Einfuhren aus den Mercosur-Staaten zu überstarkem Verfall der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise kommen sollte. Hierbei geht es insbesondere um die Preise für Reis, Eier, Ethanol, Geflügel, Honig, Knoblauch, Rindfleisch, Zitrusfrüchte und Zucker.

Generell wird erwartet, dass die Handelsliberalisierung zu niedrigeren Importpreisen für Fleisch, Kaffee, Obst, Soja und Zucker führt. Um die europäische Landwirtschaft zu schützen, sollen die Zollsenkungen bei bestimmten Agrarerzeugnissen nur bis zum Erreichen einer festgelegten Liefermenge gelten. Umgekehrt senken die Mercosur-Staaten die Zölle für europäische Autos schrittweise im Verlaufe von 18 Jahren.

Das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken schafft einen gemeinsamen Markt mit 720 Millionen Einwohnern und gilt als deutliche Position gegen die protektionistische Zollpolitik des gegenwärtigen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Kritisiert wird das Abkommen aber auch, wie Theresa Kofler von Attac Österreich das Thema hervorhebt, weil die EU-Kommission das Abkommen durchgesetzt hat, ohne dass es je zu einer Abstimmung in den nationalen Parlamenten gekommen wäre – und das, obwohl eine Reihe von Mitgliedstaaten sich gegen das Abkommen aussprach, darunter Belgien, Frankreich, Österreich und Polen. Schon zu Beginn der Verhandlungen in den 1990er Jahren hätten Industrieverbände eine führende Rolle übernommen, und der Verhandlungsfortschritt sei nur eingeschränkt einer parlamentarischen Befassung unterlegen. Das Verhandlungsmandat von 1999 war zunächst geheim und erst 2017 durch einen Leak bekanntgeworden.

„Vor dem Hintergrund der Klimakrise und den strukturellen Herausforderungen in der europäischen Landwirtschaft ist dieses Abkommen völlig aus der Zeit gefallen“, schrieb Kofler in einem Gastkommentar in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. (Matthiasb)

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