Das Ende des „Großen Krieges“ jährt sich zum 90. Mal

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Veröffentlicht: 19:46, 18. Nov. 2008 (CET)
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18.11.2008 – Mit einer großen Festzeremonie hat sich Europa am 11. November an das Ende des 1. Weltkrieges erinnert. Die zentrale Gedenkveranstaltung fand in Douaumont in der Nähe des Schlachtfelds von Verdun statt. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy fasste die Entwicklung in den letzten Jahren mit den Worten „Der Hass ist erloschen, und die Rachegelüste sind verschwunden“ zusammen. Heute würden alle Toten ohne eine einzige Ausnahme geehrt. Zusammen mit Bundesratspräsident Peter Müller, der den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel vertrat, und dem britische Prinzen Charles ging Sarkorzy zur Gedenkstätte in Douaumont, wo sie Blumengebinde niederlegten. Für die EU waren Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering vor Ort.

Polen feierte am 11. November seine Unabhängigkeit von Russland, die das Land mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wiedererlangt hatte. Auf Einladung des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski nahmen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und 16 weitere ausländische Staatschefs an der Feier auf dem Warschauer Pilsudski-Platz teil.

Vielerorts wurde gefeiert und der Toten gedacht, unter anderem auch in New York und dem belgischen Ypern, wo sich Bürgermeister aus der ganzen Welt zusammenfanden, jedoch soll der Anlass nicht unvergessen bleiben. Deshalb die wichtigsten Details in Kürze:

Vor 90 Jahren, am 11. November 1918, endete er, der von den damaligen Bewohnern der Welt sogenannte „Große Krieg“, der später als der „Erste Weltkrieg“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Er endete mit Waffenstillstandsverhandlungen in einem Eisenbahnwaggon nahe Verdun - einem für diesen massenvernichtenden Krieg symbolischen Ort. Denn in Verdun tobte über 300 Tage und Nächte eine Schlacht, bei der mehr als 300.000 Soldaten auf beiden Seiten - französischer wie deutscher - umkamen. Verdun ist ein Sinnbild für die Schrecken eines Krieges, der mit einem Attentat in Sarajevo begonnen hatte. Auch heute noch kann man in der Landschaft in und um Verdun die Schützengräben erkennen, man sieht Stacheldraht und abgeschlagene, tote Bäume. Man findet Reste von Gewehrmunition und Granaten, die nach den Schlachten vergessen wurden.

Ein Prinz in Sarajevo

Klagenfurter Zeitung zur „Generalmobilisierung“ Österreich-Ungarns
Bayrische Truppen bei der Abfahrt „zur Front“

Der österreich-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand bereiste gemeinsam mit seiner Gemahlin die Stadt Sarajevo, die damals zum österreich-ungarischen Machtbereich gehörte. Bei ihrem Besuch wurde am 28. Juni 1914 ein Attentat durch den bosnisch-serbischen Gavrilo Princip auf sie verübt, das mit ihrem Tod endete. Durch dieses Attentat entwickelte sich die sogenannte Julikrise, welche als der Beginn des „Großen Krieges“ gewertet werden kann. Österreich-Ungarn stellte drei Wochen nach dem Tod des Thronfolgers ein Ultimatum an Serbien. Dieses Ultimatum enthielt nicht nur Forderungen zur Bekämpfung von gegen Österreich-Ungarn agierenden Organisationen, sondern umfasste zudem Bedingungen, welche die serbische Souveränität bei ihrer Erfüllung eingeschränkt hätten. Die Stimmung in Europa war zu diesem Zeitpunkt eher gegen Serbien gerichtet: Man vermutete eine Beteiligung des serbischen Geheimdienstes an dem Mord. Da Serbien allerdings keine Einschränkung seiner Souveränität zulassen wollte, erfüllte es nur die Punkte, die diese nicht betrafen. Das Ultimatum, das eine 48-Stunden Frist angesetzt hatte, verstrich, ohne vollständig erfüllt zu werden.

Nun überschlugen sich die Ereignisse in Europa: Am 25. Juli erklärte Österreich-Ungarn trotz der Zugeständnisse durch die serbische Regierung das Ultimatum als ungenügend erfüllt und brach die diplomatischen Beziehungen ab. Nun war zunächst nur ein lokaler Krieg um die Vorherrschaft am Balkan angedacht, bei dem die deutsche Regierung in Form von Kaiser Wilhelm II. Österreich-Ungarn Rückendeckung zusicherte, solle Russland in diesen Konflikt eingreifen. Ein fataler Fehler, wie sich später noch herausstellen sollte. Andere europäische Großmächte sahen die Rückversicherung durch Deutschland als „deutsche Kriegstreiberei“, während in Deutschland selber der Konflikt bis dahin nur als Problem zwischen Österreich-Ungarn und Serbien gesehen wurde.

Russland beschloss bereits am 25. Juli, dass es Serbien bei eventuellen Kampfhandlungen beistehen werde. Das Deutsche Reich hielt fatalerweise trotzdem an seinem Bündnis mit Österreich-Ungarn fest, woraufhin dieses am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg erklärte. Bereits am 27. Juli wurde in Russland die Teilmobilmachung ausgerufen. Einer der damaligen Befehlshaber der russischen Armee äußerte nach dem Krieg, in Russland war ein Krieg bereits seit dem 25. Juli beschlossene Sache gewesen, da man darauf abzielte, dass Deutschland seine Truppen ebenfalls mobilisieren müsse, wenn Russland eingreifen würde. Zar Nikolaus II. war wohl anfangs nicht klar, was er mit der von ihm abgesegneten Komplettmobilmachung am Morgen des 30. Juli 1914 auslösen würde, wollte diese sogar kurz darauf wieder zurücknehmen, wurde allerdings von den russischen Befehlshabern der Armee daran gehindert. Deutschland stelle ein Ultimatum an Russland, in dem es forderte, die russische Mobilmachung zurückzunehmen. Als diesem nicht entsprochen wurde, machte das Reich ebenfalls mobil und erklärte am 1. August 1914 Russland den Krieg.

Dadurch begann ein Bündnissystem anzulaufen, das alle europäischen Großmächte betraf. Ein Ereignis war losgetreten worden, von dem einige Forscher in der Zukunft sagen sollten, es sei die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ gewesen. Das mit Russland verbündete Frankreich machte kurz darauf ebenfalls mobil und erklärte dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn den Krieg. Das Deustche Reich begann unterdessen mit dem „Schlieffen-Plan“, der vorsah, zuerst Frankreich in einem schnellen Vorstoß zu schlagen, um dann alle Kraft gegen Russland einsetzen zu können. Auf diese Weise sollte ein durch die zentrale Lage Deutschlands in Europa verhängnisvoller zwei-Fronten-Krieg verhindert werden. Teil dieses Plans war allerdings auch, durch den neutralen Staat Belgien hindurchzumarschieren, um zu Frankreich durchbrechen zu können. Belgien verweigerte dem deutschen Militär allerdings den Durchmarsch, woraufhin dieses die Neutralität Belgiens verletzte und Belgien besetzte. Damit war für die liberale Regierung Englands in London der Anlass gegeben, Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg zu erklären. Der endgültige Beginn eines schrecklichen Krieges war eingetreten.

Beginn des Krieges

Der Schlieffen-Plan

Zu Beginn wurde von der deutschen Führung noch versucht, England zur Neutralität zu bringen. Man schrieb sogar einen Rechtfertigungsbrief nach London, mit dem man die Neutralitätsverletzung erklärte. Sie sei unter Zwang zur „Selbsterhaltung“ geschehen. Währenddessen waren die Menschen noch Siegessicher in allen europäischen Staaten, die am Krieg teilnahmen. Auf deutschen Zügen, die auf dem Weg zur Front waren, wurden Siegeshymnen an die Wände gemalt. „Zum Frühstück nach Paris.“ war nur eine davon. Die Soldaten glaubten bis Weihnachten 1914 wieder zu Hause bei ihren Familien zu sein. Zu Beginn konnten die deutschen Truppen auch tatsächlich noch Erfolge verbuchen: Mehrere Siege gegen die französischen Truppen wurden errungen, der Krieg war noch „in Bewegung“. Am 4. September gelang es den Deutschen, die Marne zu überschreiten, es kam kurz darauf zur Marneschlacht. Die Fronten verhärteten sich, die Soldaten grieben sich in Schutzgräben ein und der Krieg blieb stecken. Eine neue Form der Kriegsführung, der Grabenkrieg, entstand. Keine der beiden Seiten kamen vorran, Tag und Nacht feuerten beide Seiten Artillerie-Salven aufeinander, in der Hoffnung, die Front an einer Stelle durchschlagen zu können. Infolge dieser Entwicklung musste das Oberkommando der deutschen Truppen den Schlieffen-Plan aufgeben.

An der Ostfront waren die russischen Angriffe zunächst stärker als erwartet, so dass es für die Mittelmächte erst noch schlecht aussah. Der Schlieffen-Plan sah ursprünglich vor, auf der Ostfront nur defensiv zu reagieren, was sich besonders im Nordosten (Ostpreußen) als großer Fehler erwies. Auch hier war der Plan also gescheitert. Doch kurz darauf besserte sich die Situation für die Mittelmächte an der Ostfront, was nicht zuletzt auch den Generälen von Ludendorff und von Hindenburg zu verdanken war (was etwa anderthalb Jahrzehnte später zumindest letzterem eine verhängnisvolle Popularität verleihen sollte, die letztlich Adolf Hitler zur Macht verhelfen sollte).

Ende 1914 wurden weitere Staaten mit in den Krieg gezogen, beispielsweise das Osmanische Reich, der Vorgänger der heutigen Türkei. Es kämpfte auf der Seite der Mittelmächte. Der Krieg weitete sich kurz darauf auch auf die Kolonien der kriegsführenden Staaten aus. Im Januar 1915 mussten die Osmanen eine schwere Niederlage gegen Russland hinnehmen, kurz darauf geschah der Völkermord an den Armenieren und der Völkermord an den Suryoye durch osmanische Truppen im Rahmen des Krieges, was Schätzungen zufolge eine Million Menschenleben kostete.

Festgefahrener Krieg

Truppenbesuch durch Kaiser Wihelm II. in Nisch im Jahr 1915

In den nun noch folgenden drei Jahren kam der festgefahrene Krieg nicht mehr ins Rollen. An allen Fronten beschossen sich die Kriegsparteien mit Artillerie, rafften tausende Soldaten hin, setzten gar Giftgas ein, um möglichst viele Gegner zu töten. Unter schlimmsten Bedingungen hausten die Soldaten beider Parteien in selbstgebuddelten Gräben und Unterständen. Sie standen unter ständiger Angst, ein Artilleriegeschoß könnte ihren Unterstand treffen.

Hinter den Fronten arbeiteten die Wissenschaftler aller Parteien währenddessen daran, noch tödlichere Stoffe zu entwickeln, um möglichst große Erfolge zu erlangen. Sie arbeiteten an Giftgas, dass die seit 1915 zur Standardausrüstung eines Soldaten gehörenden Gasmasken möglichst effektiv durchdringen können sollte. Es war ein Krieg, in dem der einzelne wenig zählte, es ging nur um die Masse. Überlebende berichten von einer „Entmenschlichung“ der Soldaten.

Es war aber auch ein Krieg der Generationen. Die Kriegsführung aller Staaten war nicht an die aktuellen technischen Entwicklungen ausgerichtet. Der letzte große europäische Krieg lag 40 Jahre zurück (der „Deutsch-Französische-Krieg“) und die Befehlshaber der Armeen des Ersten Weltkriegs waren größtenteils noch auf diesen Krieg eingestellt. In der Zwischenzeit aber waren Maschinengewehre und Artillerie-Geschütze entwickelt worden. Die Befehlshaber ließen ihre Soldaten aber trotzdem direkt angreifen, wo sie von den Maschinengewehren der Gegner reihenweise niedergeschossen wurden. Manchmal ging dieses sinnlose Schlachten hin- und her: Erst griffen die Franzosen nach langer Artilleriebefeuerung an, dann wieder die Deutschen, dann die Franzosen, nur damit die Deutschen wieder angriffen. Ganze Städte wechselten dabei teilweise mehrmals am Tag den Besatzer, bestes Beispiel dafür ist „Ypern“, eine belgische Stadt. Sie wurde außerdem im Laufe des Krieges vollkommen durch Artilleriefeuer zerstört.

„Blutpumpe“ Verdun

Anfang 1916 sprach der deutsche General von Falkenhayn ganz offen aus, was laut ihm die Kriegsführung in Verdun sein musste: Massenvernichtend. Er hatte vor, mit einer noch nie dagewesenen Materialschlacht die französischen Truppen in einem mörderischen Feuer „ausbluten“ zu lassen, um dann möglichst ohne Widerstand die Festung Verdun einnehmen zu können. Diese Festung hatte für die französische Kampfmoral aufgrund ihrer starken Verteidigung eine hohe Bedeutung. Mit der Schlacht um Verdun begannen die eigentlichen Materialschlachten des Krieges. Dazu gehörte ein über acht Stunden langes Trommelfeuer aus 1800 Geschützrohren. Danach griffen acht deutsche Divisionen auf voller Frontbreite an. Kurz darauf, am 25. Februar wurde das wichtige Fort Douaumont von den deutschen Truppen eingenommen. Die Moral der französischen Truppen sank darauf enorm. Die Alliierten entschieden sich, Verdun um jeden Preis zu verteidigen. Der General Pétain wurde damit beauftragt, Verdun zu halten, und es gelang ihm durch die gute Versorgung über die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun, bis April dem Gegner ebenbürtig zu werden.

Am 20. Mai wurde die Höhe „Toter Mann“ („Dead Mans Hill“ oder „Le-Mort-Homme“) von den Deutschen eingenommen, jedoch nicht sehr lange gehalten. Bei den Gefechten um sie kam es zu brutalsten Kämpfen, weswegen die Höhe auch als Sinnbild für die „Hölle von Verdun“ gilt. Die Zerstörung im Gebiet um Verdun ist so enorm, dass sich die Vegetation vor Ort bis heute von den Schäden nicht vollständig erholt hat. Im Sommer 1916 kam es zu einem Angriff der britischen Truppen auf die Stellungen der Deutschen. Dies sollte den Franzosen in Verdun eine Entlastung bringen, und die Deutschen so weit Schwächen, dass die Front zusammenbricht. Trotz des achttägigen Artilleriefeuers blieben allerdings viele deutsche Geschützstände intakt, wodurch die Briten bereits am ersten Tag mehr als 21.000 Soldaten verloren, da die Deutschen mit MG-Feuer reagieren konnten.

Kurz darauf begannen die geschwächten französischen Truppen eine Gegenoffensive, durch die sie bis zum Jahresende 1916 beinahe alle Gebiete, die die deutschen Truppen im Frühjahr genommen hatten, wieder zurückerlangen sollten. Das Fort Vaux in Verdun räumten die Deutschen sogar freiwillig, und ließen es nach der Räumung von deutschen Pionieren sprengen.

Das Ende des Zar Nikolaus II.

Flandern 1917: Gescheiterte Offensive der französischen Armee

1917 war Russland am Ende: Vom Krieg geschwächt hungerte das Volk. In diesem Jahr kam es zur Februarrevolution, bei dem die bisherige Regierung in Form einer Monarchie abgelöst wurde. Am 13. März dankte Zar Nikolaus II. ab. Die neue Regierung entschied sich zur großen Enttäuschung der Bevölkerung allerdings zur Fortführung des Krieges. Aus diesem Grunde ermöglichte die Oberste Heeresleitung im April einer im Schweizer Exil lebenden Gruppe von Bolschewiken um Lenin, mit dem Zug nach Russland zu kommen. Am 16. April traf Lenin in Sankt Petersburg ein, wo er zur sozialistischen Revolution aufrief.

Im April 1917 erklärten die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich den Krieg, kurz darauf auch Österreich-Ungarn. Mit dem Kriegseintritt der USA war der Krieg für die Mittelmächte endgültig verloren. Anlass war der von der Deutschen Heeresführung ausgerufene unbeschränkte „U-Bootkrieg“, bei dem auch zivile Opfer aus der amerikanischen Bevölkerung zu beklagen waren. Ein weiterer Grund dafür war das Zimmermann-Telegramm.

Im Verlauf des Jahres kam es zu mehreren Offensiven der Alliierten und auf beiden Seiten weitere schreckliche Verluste. Die russische Armee wurde von den Alliierten zu einem Angriff getrieben, der anfangs Erfolg hatte, aber kurz darauf steckenblieb. In Russland kam es zu einem Putschversuch der Bolkschewiken unter Lenin, der durch das Militär niedergeschlagen wurde. Lenin flüchtete nach Finnland. Die Mittelmächte gingen kurz darauf zum Gegegnagriff über und zerstörten den militärischen Widerstand Russlands innerhalb weniger Monate komplett. Kurz darauf kam es zur sogenannten Oktoberrevolution durch Lenin, der inzwischen aus Finnland zurückgekehrt war. Bereits wenige Tage nach der Machtübernahme durch die Bolkschewiken wurde das Dekret über die Beendigung des Krieges erlassen. Im Dezember 1917 begannen die zunächst ergebnislosen Verhandlungen, die letztendlich zum Frieden von Brest-Litowsk führten.

Das letzte Jahr des Schreckens

Im letzten Kriegsjahr, dem Jahr 1918 kam es im Frühjahr zu einem letzten Versuch der deutschen Truppen, einen Durchbruch auf der Westfront zu erlangen, an der nach wie vor schwerste Kämpfe tobten. Dabei setzten sie das größte Artilleriefeuer ein, das die Westfront bis dato erlebt hatte. Laut verschiedenen Quellen sollen rund 6.000 Geschütze im Einsatz gewesen sein. Die anfänglichen Erfolge dieser Offensive versiegten bald, und im Sommer 1918 musste die Offensive abgebrochen werden. Man kam zwar bis auf wenige Dutzend Kilometer an Paris heran, setzte sogar das sogenannte Paris-Geschütz ein, mit dem man auf Paris feuerte, schaffte allerdings den Durchbruch nicht. Währenddessen wuchs die Unterstützung durch die Vereinigten Staaten täglich, und die Lage wurde zunehmend aussichtsloser. In dieser Zeit kamen auch die ersten Soldaten Jahrgang 1900 an die Front.

Anfang August setzten die Alliierten eine neue Waffe ein: Panzer. Am 8. August mussten die deutschen Truppen eine schwere Niederlage hinnehmen. Ab Mitte August begannen die deutschen Truppen, sich immer weiter zurückzuziehen. Im November 1918 hielten sie nur noch einen kleinen Teil Nordostfrankreichs und gut die Hälfte Belgiens sowie Luxemburg besetzt. Bis zum Schluss wurde trotz schwerer Verluste und immer schwächer werdenen Truppen hartnäckiger Widerstand geleistet. Unter anderem auch die Nachschubschwierigkeiten der Alliierten spielten den Deutschen in die Hände, wodurch den Alliiierten kein Durchbruch gelang.

Das Ende des Mordens

Das Ende des Mordens kam dann schneller als von vielen erwartet: Österreich-Ungarn löste sich bereits im Oktober 1918 auf, die Lage wurde für die Deutschen immer aussichtsloser.

Ungeachtet der deutschen Waffenstillstandsbemühungen befahl die deutsche Admiralität am 24. Oktober für den 29. Oktober das Auslaufen der Flotte zu einer letzten, verzweifelten Schlacht („ehrenvoller Untergang“) gegen die überlegene Royal Navy. Daraufhin gab es in Wilhelmshaven Aufstände durch die Matrosen, die nicht sinnlos geopfert werden wollten. Die Flotte wurde deswegen teilweise nach Kiel verlegt und wollte die Meuterer bestrafen. Daraufhin gelang es den Matrosen in Kiel, einen Aufstand anzuzetteln, der bald zur Gründung von Arbeiter- und Soldatenräten im gesamten Deutschen Reich führen sollte. Die Novemberrevolution in Deutschland nahm am 9. November ihren Höhepunkt, an dem der Reichskanzler Prinz Maximilian von Baden aus Sorge vor einem radikalen politischen Umsturz eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt gab und dem SPD-Politiker Friedrich Ebert seinen Posten übergab. Am Nachmittag des 9. November rief Phillip Scheidemann, ebenfalls SPD, die Republik aus. Das Deutsche Reich war zur Republik geworden.

Kurz darauf wurde der Erste Weltkrieg und mit ihm all das sinnlose Schlachten und Morden beendet. Als Bilanz bleibt: Der Krieg kostete mehreren Millionen Menschen das Leben, er verwüstete weite Landstriche und stürze Europa darüber hinaus direkt in die nächste Katastrophe: Den Zweiten Weltkrieg. Die Folgen der beiden Kriege sollte Europa noch indirekt (in Form des Kalten Krieges) bis zum Ende des 20. Jahrhunderts spüren. Dabei stand am Anfang der Kette nur ein weltgeschichtlich kleines Ereignis, welches allerdings in kürzester Zeit in einem Massenmord in ganz Europa und schließlich in einem Weltkrieg enden sollte. Noch heute erinnern Denkmäler an verschiedensten Orten, beispielsweise in Verdun, wo die Opfer der Schlachten aller Länder gemeinsam beerdigt sind, an die sinnlosen und schrecklichen Schlachten dieses Krieges.

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Quellen