„Offshore-Leaks“: Daten von 130.000 „Steuerparadies-Kunden“ enthüllt

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Veröffentlicht: 14:08, 5. Apr. 2013 (CEST)
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Nicht nur für Urlauber ein Paradies: Die Britischen Jungferninseln

05.04.2013 – Ob Politiker, Stars oder Industrielle, wer sein Geld in Steuerparadiesen, wie etwa der Schweiz oder den Britischen Jungferninseln, versteckt, der wird, wenn er die Zeitung aufschlägt, kalte Füße bekommen. Der Grund dafür: Ein anonymer Informant hat die Daten von 130.000 Personen, die ihr Geld in Steuerparadiesen verstecken, an internationale Journalisten weitergegeben.

An der Auswertung des 200 Gigabyte großen Datensatzes beteiligten sich auch Journalisten des Norddeutschen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung. Insgesamt arbeiten 36 Medien aus 32 Ländern an den Daten, die bereits im Jahr 2011 auf einer Festplatte per Post an die Journalisten-Organisation ICIJ in Washington D.C. gesendet wurden.

Involviert: Die Deutsche Bank

Offenbar sind nicht nur Privatpersonen in den Skandal involviert, sondern auch zahlreiche Großbanken. Die Deutsche Bank wird beispielsweise beschuldigt, 309 Firmen, die zur Verschleierung von Geldströmen verwendet wurden, registriert zu haben. Möglicherweise begünstigte die Bank dadurch Straftaten. Relativ betrachtet ist die Rolle der Deutschen Bank jedoch eher klein; die schweizer Bank UBS registrierte etwa 2900 vergleichbare Firmen.

Die rund 2 Millionen gestohlenen Dokumente, die meisten davon sind E-Mails, stammen offenbar von zwei Vermögensverwaltungsfirmen, Portcullis TrustNet und Commonwealth Trust Limited. Diese Firmen sind unter Experten dafür bekannt, Steuersündern zu helfen und Geldwäsche zu unterstützen.

Auf der Kundenliste stehen ein afrikanischer Diktator, ein südamerikanischer Präsidentschaftskandidat, ein Vertrauter des französischen Präsidenten Hollande, aber auch der verstorbene deutsche Playboy Gunter Sachs. Der Chef der Journalisten-Organisation ICIJ, Gerard Ryle, sagte: „Es scheint, als gebe es Regeln für diese Leute - und andere Regeln für die Durchschnittsbevölkerung.“ Er sprach von einer Welt im Verborgenen, in die diverse Mitarbeiter von Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern nun spannende Einblicke erhalten können.

Ryle betonte außerdem, dass es nicht nur darum gehe, Steuern zu sparen: „Es geht nicht nur um Steuervermeidung, wenn man von Steueroasen spricht. Es geht um geheime Geschäfte, um geheime Bankkonten“, so der Investigativjournalist. Zudem sei das Geld oft aus illegalen Quellen, zum Beispiel aus Korruption. Nicht alle Geschäfte, die über Steuerparadiese laufen, seien illegal, aber wer illegales Geld anlegen wolle, fände hier beste Voraussetzungen.

Die meisten Enthüllungen sollen jedoch erst im Laufe der kommenden Wochen veröffentlicht werden, da die Auswertung der gigantischen Datenmenge trotz Spezialsoftware sehr aufwändig ist. Die Quelle der Daten ist unbekannt, es gibt jedoch zwei Möglichkeiten, auf die der Informant die Daten beschafft haben kann. Die erste ist, dass es sich um einen oder mehrere Mitarbeiter der Firmen handelt. Die zweite ist, dass die Unternehmensserver gehackt wurden.

Mittlerweile gibt es erste politische Reaktionen auf die Recherchen: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück äußerte sich zur Rolle der Banken: „Wir sollten härtere Strafen für jene Finanzinstitute einführen, die zum Steuerbetrug einladen oder daran mitwirken.“ Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Schick, erklärt die Brisanz der Geschäfte: „Es ist zunächst einmal nicht illegal, Geld über eine Steueroase zu leiten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das genutzt wird für etwas Illegales oder zumindest Illegitimes, ist sehr groß. Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruptionsgelder, all das findet dann seinen Weg über Steueroasen.“

Insgesamt wird die Finanzwelt durch die Publizierung der vertraulichen Daten schwer erschüttert. Schätzungen zufolge sind momentan zwischen 21 und 32 Billionen Dollar in Steuerparadiesen versteckt. Die Gewissheit, dass auch dieses Geld nicht mehr sicher versteckt ist, dürfte viele Anleger dazu bewegen, nach anderen Verstecken zu suchen. Zunächst ermittelt jedoch die Justiz – insgesamt 280 Milliarden Dollar entgehen den Staaten, aus denen die Anleger stammen, jedes Jahr.


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Quellen[Bearbeiten]