„Homo-Gesetz“ auf den Färöern beschlossen

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Artikelstatus: Fertig 12:43, 15. Dez. 2006 (CET)
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Tórshavn (Färöer), 15.12.2006 – Das Parlament (Løgting) der autonomen Färöer hat heute ein Gesetz beschlossen, das die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unter Strafe stellt.

Unerwartet stimmten die Mitglieder des Løgtings in einer Vorabstimmung am 13. Dezember mit 17 zu 13 Stimmen (bei einer ungültigen Stimme) für eine Änderung des „Rassismusparagraphen“ 266 b des Strafgesetzes, in dem es auf den Färöern bisher nur strafbar ist, Menschen aufgrund ihrer Rasse, Hautfarbe, nationaler oder ethnischer Herkunft oder Religion zu bedrohen, verhöhnen oder herabzusetzen. Heute wurde das Gesetz mit 17 zu 15 Stimmen endgültig angenommen [1].

Bereits 2005 beantragten zwei Abgeordnete der oppositionellen Linksrepublikaner (Tjóðveldisflokkurin), Annita á Fríðriksmørk und Finnur Helmsdal, eine ausdrückliche Erwähnung der sexuellen Orientierung, wie es im Mutterland Dänemark schon seit 1987 der Fall ist – als erstem Land der Welt. Die dänische Gesetzgebung in innnenpolitischen Angelegenheiten muss immer erst vom Løgting ratifiziert werden, um auch auf den Färöern zu gelten. Im Falle des Paragraphen 266 b des dänischen Strafgesetzes[2] gab es also fast 20 Jahre eine abweichende Lesart auf den Färöern.

Obwohl Regierungschef Jóannes Eidesgaard sich für ein Diskriminierungsverbot stark machte, versagten ihm seine Sozialdemokraten (Javnaðarflokkurin) und die Regierungskoalition mit den liberalen Unionisten (Sambandsflokkurin) und konservativen Volkspartei (Fólkaflokkurin) die geschlossene Gefolgschaft. Der Riss ging in dieser Frage durch alle vier großen Parteien.

Erstmals gerieten die Färöer dann im Oktober 2006 in die internationalen Schlagzeilen, als der Musiker Rasmus Rasmussen, der auf den Färöern kürzlich zum besten Gitarristen gewählt wurde, als bekennender Schwuler auf offener Straße zusammengeschlagen wurde. Anschließend erhielt Rasmussen auch Morddrohungen und musste aus psychischen Gründen stationär behandelt werden.[3][4]

Die dänische Studentin Nynne Nørup startete im Internet die Kampagne „Act against Homophobia“ und konnte damit über 20.000 Unterschriften von zumeist Färingern, Isländern und Dänen aus aller Welt sammeln[5]. Diese wurden am 7. November dem Präsidenten des Løgtings überreicht. Auf den Färöern selbst gab es eine weitere Unterschriftensammlung, die von einer Gruppe Frauen organisiert war und noch einmal 2.000 Unterschriften beisteuern konnte[6].

Lage der Färöer-Inseln

Während die Parlamentssitzung am 7. November ergebnislos blieb, kam es am 13. Dezember zur entscheidenden Vorabstimmung. Finnur Helmsdal sagte anschließend der dänischen Zeitung „Politiken“: „Ein großer Teil der Färinger glaubte Jahrzehnte lang, dass Menschenrechte im Widerspruch zum Christentum stünden. Mit dieser Abstimmung senden wir das erste Mal in der Geschichte der Färöer ein klares Signal, dass wir eine tolerante Gesellschaft wollen.“

Zwar war dies erst die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, aber Helmsdal ging davon aus, dass die dritte Abstimmung am Freitag dem 15. Dezember nur noch eine Formsache ist. So kam es auch: Alle 17 Ja-Stimmen blieben standhaft, und es gab 15 Gegenstimmen.

Die Färöer sind das letzte Land in Nordeuropa, das Homosexuelle gesetzlich vor Schikane schützt.

Quellen

  1. Portal.fo: „Broytingin í revsilógini samtykt (Änderung im Strafgesetz beschlossen)“ (Färöischsprachige Quelle) (15.12.2006, 11:51 Uhr MEZ)
  2. Dänische Wikipedia: „Straffeloven“ (dänischsprachige Quelle) (Stand vom 15.12.2006)
  3. Politiken.dk: „Overfald åbner færøsk homo-debat (Überfall eröffnet färöische Homo-Debatte)“ (dänischsprachige Quelle) (08.10.2006)
  4. Sueddeutsche.de: „Eiland - nur für Heteros“ (21.10.2006)
  5. www.act-against-homophobia.underskrifter.dk: „Act Against Homophobia“ (englischsprachige Quelle) (unbekannt)
  6. Politiken.dk: „Lokale kvinder støtter færøske homoseksuelle (Lokale Frauen unterstützen färöische Homosexuelle)“ (dänischsprachige Quelle) (29.10.2006)