Papst Franziskus und der Richtungswechsel

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Veröffentlicht: 15:26, 31. Mär. 2013 (CEST)
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Kardinal Bergoglio mit dem Bürgermeister von Buenos Aires, 2010

Vatikanstadt, 31.03.2013 – Die wichtigste Veranstaltung für den Kurs der katholischen Kirche ist traditionell die Messe des Papstes am Gründonnerstag. Bei der Chrisammesse sagte der Papst, dass die Priester dynamischer werden und an die äußersten Ränder der Gesellschaft gehen sollten. Sie dürften nicht zu Verwaltern des Glaubens werden. Er wusch die Füße von 12 Gefangenen eines römischen Gefängnisses, darunter zwei Frauen. Dies geht darauf zurück, dass Jesus den 12 Aposteln, alles Männer, die Füße gewaschen hatte.

Bergoglio wählte seinen Papstnamen in Anlehnung an Franz von Assisi, einen Mann, der das Evangelium, wie man sagt, sine glossa, d. h. ohne Veränderungen, gelebt hatte und dem in den ersten Jahren seines Wirkens große Widerstände entgegegenschlugen. Franz von Assisi wird vor allem für seinen Einsatz für die Armen und die Natur bzw. die Schöpfung verehrt. Unmittelbar nach der Wahl verzichtete Papst Franziskus auf den bereitstehenden Mercedes und fuhr mit den anderen Kardinälen im Bus zurück in die gemeinsame Unterkunft. Am nächsten Tag kümmerte er sich zuerst um seine Pflichten als Bischof von Rom und fuhr im Volkswagen und minimaler Eskorte zum Gebet zur römischen Basilika Santa Maria Maggiore. An diesem Tag holte er auch noch persönlich sein Gepäck im Wohnheim Domus Paolo IV ab und beglich die Rechnung. Persönlich rief er auch in Buenos Aires an, um sein Zeitungsabo zu kündigen. Bei einem Empfang für Medienvertreter sagte Franziskus, dass er „eine arme Kirche, und eine Kirche für die Armen“ haben möchte.

Dass Franziskus mit einigen der bisherigen Traditionen brechen würde, hatte sich schon angekündigt. Jorge Mario Bergoglio scheint damit als Papst den Stil fortzusetzen, den er schon in Argentinien gepflegt hatte. Anstatt in der Bischofsresidenz wohnte er in einem schlichten Appartment. Er besuchte Gefängnisse und Krankenhäuser, er ging auf Leute am Rand unserer Gesellschaft zu. Wenige Tage vor dem Konklave hatte er vor dem Kardinalskollegium eine kurze Rede gehalten, die für einiges Aufsehen unter den Kardinälen gesorgt hat. Die Rede soll dazu beigetragen haben, dass der Mann, der schon beim Konklave 2005 die zweitmeisten Stimmen erhalten hatte, diesmal in wenigen Wahlgängen zum Papst gewählt wurde. Das handgeschriebene Manuskript der Rede wurde jetzt vom kubanischen Kardinal Jaime Ortega in der erst seit dem dortigen Papstbesuch 2011 wieder zugelassenen Zeitung „Palabra NUEVA“ veröffentlicht.

Die Demutsgesten von Franziskus werden bereits als viel mehr gesehen als ein persönlicher bescheidener Lebensstil. Was in der Schweiz und den Niederlanden, zumindest auf dem Land, seit längerem üblich ist: von Laien durchgeführte Wortgottestdienste anstatt der Messe werden als gleichwertig gesehen, das heißt der Übergang vom Weihepriestertum zum allgemeinen Priestertum. Da die Bischöfe als direkte Nachfolger der Apostel gesehen werden, Jesus seinen 12 Aposteln die Füsse wusch, war es durchaus als Sensation zu bewerten, dass der Papst dieses Jahr auch zwei Frauen die Füße wusch.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die dem früheren Kardinal Bengoglio vorwerfen, speziell in den Zeiten der Militärdiktatur in Argentinien geschwiegen zu haben, bzw. sogar aktiv Jesuiten angezeigt zu haben. Vor dem Konklave 2005 meinte der Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel noch, dass Bergoglio „dazugehörte“ zu denen, für die Leute, die mit den Ärmsten arbeiteten, Kommunisten, Subversive und Terroristen sind. Pérez hoffte dass der „Heilige Geist wach ist und sich nicht irrt“ - bei der Wahl des Papstes. 2012 jedoch, nachdem der „Heilige Geist“ abgelenkt schien und Bergoglio tatsächlich gewählt wurde, korrigierte sich Pérez. Er stellte klar, dass der argentinische Kardinal zwar nicht offen gegen die Diktatur gekämpft, jedoch auch nicht mit ihr zusammengearbeitet hätte. Er soll vielmehr einen Weg der stillen Diplomatie verfolgt haben. Ebenso korrigierte Franz Jalics, einer der beiden Jesuiten, die der Überzeugung waren, Bergoglio habe sie verraten, seine ursprüngliche Meinung.

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