Frankfurter Buchmesse spricht bei Ausladung chinesischer Regimekritiker von „Güterabwägung“

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Veröffentlicht: 21:25, 10. Sep. 2009 (CEST)
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Messe Frankfurt

Frankfurt am Main (Deutschland) / Peking (Volksrepublik China), 10.09.2009 – Für Kritik sorgte die am heutigen Donnerstag bekannt gewordene Ausladung zweier chinesischer Intellektueller durch die Veranstalter eines Symposiums im Vorfeld der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Die betroffenen Schriftsteller Bei Ling und Dai Qing sind bekannte Regimekritiker. Der Programmdirektor der Buchmesse, Peter Ripken, wies Kritik zurück und stellte klar, dass die Verantwortlichen gezwungen gewesen seien, eine „Güterabwägung“ vorzunehmen, da das offizielle chinesische Komitee „knallhart“ gedroht habe, die eigene Beteiligung abzusagen, wären die Kritiker ebenfalls Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung.

Die Frankfurter Buchmesse findet dieses Jahr vom 14. bis 18. Oktober statt. Ehrengast ist China, dessen literarisches Kulturgut einen Schwerpunkt bildet. Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, machte in einer Stellungnahme klar, dass die Forderungen des „Partners“ China gerechtfertigt seien, da das Zustandekommen des Symposiums Einigung unter den Beteiligten und damit Kompromisse voraussetze. Die Abwesenheit von Bei Ling und Dai Qing sei folgerichtig in Kauf zu nehmen, Ziel sei es, „miteinander und nicht übereinander zu reden“. Weiter stellte Boos die Bedeutung der Beteiligung Chinas fest: „Das offizielle Programm des Ehrengasts China mit hunderten Veranstaltungen liegt in der alleinigen Verantwortung des Ehrengasts China und wird vom Ehrengast finanziert, organisiert und durchgeführt.“

Bei Ling und Dai Qing seien telefonisch von Ripken dringend gebeten worden, von einer Teilnahme abzusehen, um ein „Riesendurcheinander“ zu vermeiden, so Bei Ling. Gleichzeitig betonte der in Boston lebende Autor die Bedeutung der Präsenz chinesischer Exilliteratur auf der Frankfurter Buchmesse. Im Gespräch mit dem Internetportal Spiegel Online betonte Ripken, dass die deutsche Seite andere kritische Stimmen, wie den Soziologen Wang Hui, gegenüber dem Ehrengast China durchgesetzt habe. Er betonte, dass die Einladung von Bei Ling und Dai Qing zur eigentlichen Buchmesse im Oktober nicht zur Diskussion stünde.

Nach Angaben der dpa wird zumindest Dai Qing trotz der Vorkommnisse einer Einladung der Schriftstellervereinigung P.E.N. nachkommen und am Symposium teilnehmen. Ein Visum für den am Freitag beginnenden Deutschlandaufenthalt sei bereits erteilt worden. Auf Anfrage von Spiegel Online zeigte sich Peter Ripken von dieser Entwicklung überrascht. Der zweite Betroffene, Bei Ling, nannte seine Ausladung eine „Schande“, er wolle aber durch seine Anwesenheit keinen Schaden anrichten.

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Quellen